ALICE


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Die Magazine der Familie Dodgson

 

English version

2015 jährt sich das Erscheinen von »Alice’s Adventures in Wonderland« zum 150. Mal. Große Feiern und außergewöhnliche Publikationen sind weltweit in Vorbereitung. Rechtzeitig zu diesem Termin habe ich ein Großprojekt abgeschlossen: einen kaleidoskopischen Kommentar zu meiner Übersetzung dieses Romans, dazu des zweiten »Alice«-Romans (»Through the Looking-Glass, and what Alice Found there«) und des Nonsense-Epos »The Hunting of the Snark«.

Den jungen Künstler auf dem Weg zu seinem Meisterwerk erleben wir in den vier Magazinen der Familie Dodgson, die (von acht insgesamt geschriebenen) erhalten sind.

2013-2015 erschienen:

Lewis Carroll: ALICE. Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von Günther Flemming. 3 Bände, Hardcover, Großformat 17 x 24 cm. Berlin, September 2013: epubli (www.epubli.de). Jeder Band kann einzeln bezogen und benutzt werden:

Band 1: Alices Abenteuer im Wunderland. ISBN 978-3-8442-6490-6, 524 Seiten (Details)

Band 2: Durch den Spiegel, und was Alice dort fand. ISBN 978-3-8442-6492-0, 585 Seiten (Details)

Band 3: Die Jagd nach dem Schnark, ALICEANA & Essays zu Leben und Werk. ISBN 978-3-8442-6493-7, 668 Seiten (Details)

Lewis Carroll: Die Magazine der Familie Dodgson. Aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von Günther Flemming. Hardcover, Großformat (17 x 4 cm). Berlin 2015: epubli (www.epubli.de. ISBN 978-3-7375-5055-0, 654 Seiten (Details).

ALICE in a World of Wonderlands. The Translations of Lewis Carroll’s Masterpiece. 3 Bände. Hrsg. von Jon A. Lindseth, General Editor, und Alan Tannenbaum, Technical Editor. New Castle, Delaware, August 2015: Oak Knoll Press, in cooperation with the Lewis Carroll Society of North America. ISBN 9781584563310. 2656 Seiten. Gebunden. (Band 3: Checklists. Darin: German. Compiled and Annotated by Alise G. Wagner and Günther Flemming with additional assistance from Lila Harper and Angelika Zirker. Seiten 336-408.)

Zu den Magazinen der Familie Dodgson:

In der Blütezeit der Literaturzeitschriften in England gab der junge Charles Lutwidge Dodgson, der später unter seinem Pseudonym Lewis Carroll weltberühmt wurde, eine Reihe einander ablösender ›Familienmagazine‹ heraus, in denen er überwiegend erste eigene, skurrile Gedichte und Geschichten sammelte und Zeichnungen dazu schuf: das erste als Schüler, das letzte als Student – bis er Alice’s Adventures under Ground (Alices Abenteuer unter Erde) und danach Alice’s Adventures in Wonderland (Alices Abenteuer im Wunderland) schrieb. Von acht solcher Magazine berichtet er im Vorwort zu letzten, vier davon sind erhalten und liegen hier vollständig ins Deutsche übersetzt und kommentiert vor:

Useful and Instructive Poetry
Nützliche und lehrreiche Gedichte

The Rectory Magazine
Das Magazin für das Rektorat

The Rectory Umbrella
Der Schutzschirm für das Lektorat

Mischmasch

Seine Kindheit und Jugend standen unter dem gutgemeinten Druck, den ihm vom Vater vorgezeichneten Weg zu gehen und die Familientradition fortzuführen. Zugleich träumte er davon, Schriftsteller und Zeichner zu werden, Künstler, nicht Pfarrer. Der Konflikt zwischen Bestimmung und Selbstbestimmung bestand schon in seiner Kindheit, brach aber erst voll aus, als Charles an den entscheidenden Wegmarken (aus der Sicht des Vaters) die ›falsche‹ Richtung einschlug, bereits die niederen Weihen der Kirche zu spät erhielt und die Priesterweihe gänzlich ablehnte. Der Kommentar gibt Hinweise auf diesen Konflikt, der durch die gezielte Vernichtung von Dokumenten nach seinem Tod seinen Lesern und Biografen verborgen bleiben sollte.

Nach den Familienmagazinen begann Lewis Carroll die Arbeit an seinem Hauptwerk, »Alice«. Die mündlich extemporierten Erzählungen um seine Heldin Alice nahmen Einfälle auf, die schon lange in ihm zu sprudeln begonnen hatten, dazu Bilder aus dem täglichen Leben in fantastischen Verzerrungen. Die wichtigste Zuhörerin war die kleine Alice Pleasance Liddell, eine Tochter des Dekans von Christ Church. Die bat den Erzähler nach einem langen schönen Nachmittag auf dem Fluss Isis (wie der Oberlauf der Themse bis Oxford nach einem ihrer Quellflüsse genannt wird), die Erzählungen des Tages für sie aufzuschreiben. Er konnte ihr nichts abschlagen und notierte Stichwörter, entwarf einen schlüssigen Ablauf, skizzierte bildhafte Einfälle dazu und schuf schließlich in Texten und Zeichnungen die erste schriftliche Fassung: Alice’s Adventures under Ground (Alices Abenteuer unter der Erde).

Alice und ihre Schwestern liebten das Buch, wie zu erwarten, aber auch Erwachsene bewunderten es und, unter ihnen (und das gab den Ausschlag) auch einige bekannte und erfolgreiche Schriftsteller, Autoren von Kinderbüchern. Die drängten ihn zu einer öffentlichen Ausgabe. Was als Freizeitvergnügen begonnen hatte, führte ihn so auf den Weg, von dem er schon lange träumte: den Weg eines Künstlers, eines Schriftstellers, eines Zeichners, eines Fotografen. Also erweiterte er den Text, verzichtete auf zu offensichtliche Anspielungen auf die Zuhörerinnen und den Oxforder Bekanntenkreis (an deren Spitze ja Henry George Liddell stand, der Dekan von Christ Church, dem College, dem Carroll selber angehörte) und schuf eines der berühmtesten Werke der Weltliteratur. Nur seine Zeichnungen waren nicht »not up to the mark«, »nicht gut genug«, weshalb er einen professionellen Zeichner und Karikaturisten gewann, neue anzufertigen: John Tenniel (von dem bekannten Satireblatt Punch).

So entstand Alice’s Adventures in Wonderland (Alices Abenteuer im Wunderland). Der Roman umfasst Alices Abenteuer in einem Traum in zwölf Kapiteln, eingebettet in eine Einschlaf- und eine Aufwachszene, und das ganze präludiert in einem Widmungsgedicht, worin die Umstände der Entstehung geschildert werden: so werden wir Leser in die Geschichtenerzählung hinein gezogen, welche die Liddell-Schwestern erlebt haben, und werden so gewissermaßen nachträglich mit eingeladen ins Boot.

Der erste Band der dreibändigen Edition enthält den Text des Romans Alices Abenteuer im Wunderland mit den Zeichnungen von John Tenniel in deutscher Übersetzung.

Der Kommentarteil wird eröffnet mit einem Cicerone, einem Führer durch das Werk: vom Eröffnungsgedicht bis zum Nachklang, das mit seinen nunmehr 150 Jahren nicht mehr in allen Teilen ohne weiteres verständlich ist. Die zahlreichen Gedichte (überwiegend Parodien und Zitate aus der Volkspoesie, zum Teil auch eigene Gedichte) sind darin übergangen. Sie bilden (bis auf die eigenen Gedichte) den Untersuchungsgegenstand im angeschlossenen Echoraum. Deutschen Lesern von heute sind die Originale der Parodien nicht geläufig (wie sie auch englischen Lesern von heute überwiegend nicht mehr geläufig sind). Ersetzt werden sollten sie nicht, also müssen sie in ihren Bezüglichkeiten verständlich gemacht werden. Dazu sind die Quellen zitiert und (überwiegend erstmals) teils vollständig, teils in auskömmlichen Auszügen, ins Deutsche übersetzt, und das in den Versmaßen der Originale, so dass sie auch in deutschen Lesern zum Klingen gebracht werden.

Wer genauer wissen will, wir kunstvoll der Autor seine Texte angelegt hat, erfährt im Stellenkommentar, was sich beim bloßen Lesen nicht ohne weiteres erschließen lässt. Darin wird auch auf die Übersetzung eingegangen, welche dem Original so weit wie möglich angenähert ist, ohne ihm aber natürlich ganz äquivalent zu werden: denn Alices Abenteuer sind Sprachabenteuer. Trotz des Umfangs ist der Kommentar nicht getragen von dem Anspruch, alle Anspielungen und andere Formen der kreativen Verzahnung nachzuweisen. Es geht darum, den Kinderbuchautor in die Umgebung zu stellen, in die er gehört: in das Kontinuum der englischen und der Weltliteratur. Anspielungen auf die Bibel vermied Carroll nach Kräften, solche auf das Werk von Shakespeare und andere große Klassiker sind leichter zu erkennen als die Fäden, die ihn mit der zeitgenössischen Literatur verbinden. Vier Zeitgenossen sind ausgewählt worden für die ›Kontextualisierung‹: der Amerikaner Edgar Allan Poe, die beiden großen Roman-Helden des viktorianischen Zeitalters William Makepeace Thackeray und Charles Dickens sowie der in Deutschland weitgehend unbekannt gebliebene gleichaltrige Charles Stuart Calverley.

Der zweite Band enthält den Text des Romans Durch den Spiegel, und was Alice dort fand wiederum mit den Zeichnungen von John Tenniel in deutscher Übersetzung.

Einem Cicerone und einem Echoraum folgt (wegen des Umfangs abgesondert) eine Untersuchung zu einem langen Gedicht des deutschen romantischen Dichters Friedrich de la Motte Fouqué als mögliche Quelle zu der berühmten Legende vom Schebberoch (›Jabberwocky‹). Dem Stellenkommentar folgt eine Liste von Anspielungen im zweiten »Alice«-Roman auf den ersten (Binnenereferenzen).

Der dritte Band enthält den Text des Nonsens-Epos‘ Die Jagd nach dem Schnark mit den Zeichnungen von Henry Holiday in deutscher Übersetzung. Das Epos schließt die Hauptwerke ab und ist vielfach auf die »Alice«-Romane bezogen. Ihm folgen die erste Fassung von Alices Abenteuern (Alices Abenteuer unter der Erde) sowie die letzte Fassung (»Alice« für die Kleinsten) und zahlreiche kleinere Arbeiten zu diesem Werkkomplex.

Dem Cicerone (zum Schnark) folgt kein Echoraum, da dieses Werk nur aus einem einzigen Gedicht besteht. Ein Stellenkommentar erläutert sämtliche in diesem Band enthaltenen Werke (zum Schnark ergänzt um eine Liste von Anspielungen auf die beiden »Alice«-Romane).

Den Abschluss der Edition bilden Studien zu Leben & Werk des Dichters: Der Dichter und seine Muse führt ein in das Leben von Carroll und Alice Liddell. Das Leben des Dichters wirklich zu überschauen und zu verstehen, hindern uns die zahlreich vernichteten Tagebuchbände und blätter, Briefe und andere Dokumente; deshalb folgen (aus dieser Not geboren) zwei ›biografische Fantasien‹ (die wohl spekulativ, aber nicht bodenlos zu nennen sind): die erste zum Thema Lewis Carroll und dem Rätsel der Sphinx (»Ödipus«, »Hamlet« und »Alice«: es wird also die Frage nach der eigenen Identität behandelt) und die zweite zu Lewis Carroll und Hamlet (eine wechselseitige Erhellung des Lebens des Dichters und der Titelfigur seines Lieblingsdramas, aus welcher ferner die beiden »Hamlet«-Studien hervor gingen, die auf den folgenden Seiten angezeigt sind). Abgerundet werden die Studien zum Leben durch vier literarische Studien, hier zum Umgang mit den Werken der vier auch im Stellenkommentar bevorzugt berücksichtigten zeitgenössischen Dichter Poe, Thackeray, Dickens und Calverley. Im Sinne des angesprochenen Kontinuums, in dem Carrolls Werk hier gesehen wird, sind gelegentlich Hinweise auf dessen Nachleben in den Werken späterer Autoren gegeben, vorzugsweise auf Werke von James Joyce und Arno Schmidt.

I give you all—I can no more—
Tho’ poor the off’ring be—
(Thomas Moore)
oder
(mit Jean Paul zu sprechen:)
»eine kurze Auseinandersetzung in einigen Bänden«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ALICE—English version:

We look forward to the 150th anniversary of the first publication of Alice’s Adventures in Wonderland in 2015. Great celebrations and extraordinary publications are being prepared all over the world. In time for these events I finished a major project of mine prepared in the course of nearly all my grown-up life: a kaleidoskopic commentary of (my translation of) this novel, along with Through the Looking-Glass, and what Alice Found there and the nonsense epic of The Hunting of the Snark, into German—in three volumes.

ALICE

Recently published (for the convenience of foreign readers the information here is given in English: the books however are written in German!):

Lewis Carroll: ALICE. Translated from the English and commented by Günther Flemming. 3 volumes, hardcover, 17 x 24 cm (about 6¾ x 9½"). Berlin, September 2013: epubli (www.epubli.de). Each volume can be obtained and used separately.

Volume 1: Alices Abenteuer im Wunderland. ISBN 978-3-8442-6490-6, 524 pages

Volume 2: Durch den Spiegel, und was Alice dort fand. ISBN 978-3-8442-6492-0, 585 pages

Volume 3: Die Jagd nach dem Schnark, ALICEANA & Essays on his life and works. ISBN 978-3-8442-6493-7, 668 pages

The commentary offers a ›cicerone‹ for each of the Alice books and for the Snark. The poems in the Alice books, mostly parodies and folklore, as is well known, are documentated in two studies of the possible sources, some of which are taken into consideration here for the first time. Separately, Carroll’s cousin Menella Smedley’s translation of a long poem by the German poet Fouqué (»Der Hirt des Riesengebürgs«, »The Shepherd of the Giant Montains«) is presented (with the full text in German and in English) as a possible source of »Jabberwocky« (as proposed by Roger Lancelyn Green). More sources, allusions, and parallels are presented in annotations.

The third volume finally contains biographical sketches along with two fantasies meant to fill the willfully produced gaps in the documents of his life. These fantasies concern two paradigms: the riddle of the Sphinx, or, of his (and our) identity, and the mystery of Hamlet which can be read as a foil underlying his own life.

Four of his contemporaries and guildsmen have been studied with special care: Edgar Allan Poe (born 1809), William Makepeace Thackeray (born 1811) and Charles Dickens (born 1812), his elders, and also Charles Stuart Calverley (born 1831 within weeks of Carroll’s birth) the only comparable poet of his time.

The domestic magazines of the Dodgson family

Lewis Carroll: Die Magazine der Familie Dodgson. Translated from the English and commented by Günther Flemming. Hardcover, 17 x 4 cm (about 6¾ x 9½"). Berlin 2015: epubli (www.epubli.de). ISBN 978-3-7375-5055-0, pages.

When literary magazines were flourishing in England young Charles Lutwidge Dodgson, later better known as Lewis Carroll, edited, one after another, several domestic magazines in which he collected poems, tales, and sketches of his own and also some of other members of the Dodgson family: the first one when he was only thirteen years old, the last one while studying in Oxford – until he wrote Alice’s Adventures under Ground und thereafter Alice’s Adventures in Wonderland. Of eight such magazines he reports in the preface to the last, four of which are preserved to day and appear here in German translation and thoroughly commented on:

Useful and Instructive Poetry
The Rectory Magazine
The Rectory Umbrella
Mischmasch

In his childhood and youth he lived under the well-intentioned pressure of his father Charles Dodgson, son of Charles Dodgson, who wanted him to follow the family tradition: to become a priest, to marry, to have children, to have the first-born son baptized Charles, to make him in his turn to follow the family tradition … The hovering conflict between self-determination and family-directedness shines already through the juvenile writings before breaking out, when Charles was ordained deacon too late and consecrated not at all. The destroying of all documents concerning this family conflict after his death makes it hard now to find traces therof. The commentary at least helps to do so.

Hamlet

While trying to understand Carroll’s life better by comparing it to the fate of Hamlet, I won a new view of the tragedy itself too long to be incorporated into this Alice commentary, so I published it (in German, again) separately (see Hamlet).

I give you all—I can no more—
Tho’ poor the off’ring be—
(Thomas Moore)
or
to quote from Jean Paul:
»a short argument in several volumes«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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